Vergiss sie nicht

Sie sind ganz unscheinbar und oft wachsen sie, ohne dass wir sie gesät haben. Ihre Samen kommen von irgendwoher, vom Nachbarsgarten oder von der nahen Wiese. Die Vergissmeinnicht. Die kleine und unscheinbare Pflanze soll Gott gebeten haben, sie nicht zu vergessen. Daher ihr Name, sagt eine Sage. Sie erinnert liebevoll an Menschen, die weit weg oder verstorben sind, so die Symbolik. Sie werden als Liebes- und Treuebeweis auch gerne verschenkt und sind deswegen auch in Brautsträussen zu finden.

Bei mir gedeihen sie in einem grossen Topf. Es sind zwar ungebetene, aber willkommene Gäste bei meinem Ahornbäumchen (das sich leider weniger wohl in seinem Topf fühlt). Dass unter den blauen auch weisse Vergissmeinnicht blühen, freut mich ganz besonders. Es sind, so lehrt mich google, Brunnera macrophylla Betty Bowring, weisses Kaukasusvergissmeinnicht.

Hm, die Samen haben also einen weiten Weg hinter sich – vom Kaukasus in die Schweiz. Sie sind wesentlich rarer als ihre hellblauen Schwestern. Sie machen sich wunderschön, die weissen Blüten im Meer von den "gewöhnlichen" hellblauen.

Es gibt auch rosarote und gelbe Vergissmeinnicht. Sie sind, wie die weissen, ebenfalls selten anzutreffen. Wer rosa Blümchen bei seinen himmelblauen entdeckt, soll sich jedoch nicht zu früh freuen, denn sie werden sich in den nächsten Tagen und Wochen in blaue verwandeln. Ursache sei die Zusammensetzung des Pflanzensaftes, der zunächst sauer und dann basisch wird. Eine ähnliche Ausgangslage ist bei den Hortensien zu finden: Je nach Zusammensetzung der Erde sind sie rosa oder hellblau.

Für mich bekommen diese kleinen weissen Blümchen in meinem Topf nun eine andere Bedeutung. Rares ist eben immer gefragter als Massenware.... Das gilt auch bei den Pflanzen. Ich werde also diese Vergissmeinnicht behutsam umsorgen.

Vergissmeinnicht, egal welcher Farbe, gehören bei den Menschen offenbar noch ein wenig zu den Vergessenen. Jedenfalls was deren Heilwirkung anbelangt. Denn sie sollen entzündungshemmend, zusammenziehend, beruhigend und stärkend wirken und könnten so gegen verschiedene Wehwechen eingesetzt werden. Immerhin: Die Pflanzen werden ab und zu auch als homöopathisches Mittel, als Tee und Tinktur  eingesetzt.

Wer's gerne wissenschaftlich hat: Das Acker-Vergissmeinnicht heisst Myosotis arvensis,  das Wald-Vergissmeinnicht Myosotis sylvatica und  das Sumpf-Vergissmeinnicht  Myosotis palustris.

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