Der Garten ist ein kleines Paradies auf Erden

"Ein Garten kann eine Welt für sich werden, dabei ist es ganz gleich, ob dieser Garten gross oder klein ist", sagte dereinst Hugo von Hoffmannsthal. Der österreichische Schriftsteller lebte von 1874 bis 1929.

 

Im Garten lässt sich verweilen, Feste feiern, tanken, arbeiten, essen, spielen oder einfach nur sein. Für mich ist der Garten Lebensqualität pur. Ich mag das Grün der Blätter und die farbigen Punkte der Blumen. Ich mag das Säuseln des Windes, wenn er durch die Büsche zieht.  Wenn ich in eine neue Wohnung ziehen wollte, klärte ich jeweils vorher ab, ob ein Garten vorhanden ist. Wenn nicht, war als Alternative ein grosser Balkon ok. Falls weder das eine noch das andere zur Wohnung gehörte, kam sie für mich nicht in Frage, mochte sie noch so schön und die Lage noch so attraktiv sein. Im Garten finde ich Ruhe und er bietet mir die Möglichkeit, in der Erde zu graben, sie zu fühlen und zu riechen.

Der Garten ist für mich nicht nur ein Ort des Rückzugs, er ermöglicht mir nicht nur sinnliche Erfahrungen, sondern er spendet mir auch Nahrung. Ich liebe es, eigene Kartoffeln aus meinen Pflanzsäcken zu ernten – bald ist es soweit, die Stauden beginnen zu blühen. Wer sich den Film "Tomorrow" (sehr empfehlenswert!) angeschaut hat, weiss um den Wert und die Wichtigkeit der Gärten. Der Dokumentarfilm zeigt auf, wie man dem drohenden globalen ökologischen Kollaps begegnen kann. Eine der Möglichkeiten ist, Gärten anzulegen, auch, wenn es nur kleine sind. In einer englischen Stadt haben Menschen – mit dem Segen des Bürgermeisters – auf öffentlichem Grund Blumen und Gemüse angebaut. Alle Einwohner dürfen dort ernten. Solche öffentliche Gärten gibt es auch in Schweizer Städten, in Biel etwa. Dort wurde das Gemüse in Einkaufswägelchen und Kisten gepflanzt.

 

Man kann sich und seine Familie auch mit kleinen Gärten "versorgen". Glücklich, wer einen Balkon, eine Dachterrasse, einen Sitzplatz, Vor- oder Hinterhof hat. Überglücklich können sich jene schätzen, die einen Garten oder Gartenbeete bepflanzen können.

Wer eigenes Gemüse, eigene Beeren und Früchte zieht, weiss, was er isst. Er muss keine Spritzmittelrückstände schlucken. Der Entscheid, wie sie oder er das Gemüse zieht, liegt bei jedem "Gärtner" selber. Seine Beeren, seine Früchte haben keinen langen Transportweg zurückgelegt, haben nicht in einer Lagerhalle nachgereift – sie kommen direkt vom Garten auf den Teller. Für mich ist das Lebensqualität, eine Bereicherung, ein grosses Geschenk.  Klar macht ein Garten Arbeit, klar ärgere ich mich über Schnecken, Blattläuse und Ameisen. Und klar finde ich es manchmal mühsam, wenn sich das Unkraut in Windeseile und überall breit macht. Doch all das ist nichts im Vergleich zu dem, was mir der Garten schenkt. Er ist mein kleines Paradies auf Erden.

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