Der Gemüsegarten auf dem Balkon oder Sitzplatz

Spätestens seit Pflanzsäcke salonfähig geworden sind, wissen wir, dass man Gemüse und Blumen ohne Garten anbauen kann. Im Buch "Urban Gardening" beschreibt der Autor Yohan Hubert zusätzliche Anbaumöglichkeiten für Städterinnen und Städter ohne Garten. Zudem zeigt er, wie man die Bewässerung sicher stellen kann und geht auf die städtischen klimatischen Bedingungen ein.

 

Wer kennt das Dilemma nicht: Frisches Gemüse und saftige Beeren auf dem Balkon ernten – ja gerne. Doch die schwere Säcke mit Erde an- und abschleppen – ist eine andere Sache. Zum Glück kann man sich die Erde auch vom Baumarkt oder Grossverteiler anliefern lassen. Das Buch zeigt Alternativen auf, wie sich die Gartenarbeit und die Schlepperei auf ein Minimum reduzieren lässt. So können etwa verschiedene (leichtere) Substrate die (schwerere) Erde ergänzen oder ersetzen. Das Mineralsubstrat Puzzolan (vulkanische Gesteine) etwa hat eine Lebensdauer bis zu 20 Ernten. Rinde muss nach 3 Jahren kompostiert werden. Topfpflanzenerde hat laut Autor eine Lebensdauer von nur einem Jahr.

Wer gleich eine Dachterrasse oder einen Hinterhof bepflanzen möchte, kann sich eine Topfbewässerungsanlage bauen. Wie, das beschreibt der Autor in seinem Buch. Hobbygärtner sollen mit diesem Anbausystem Tomaten von mehr als 500 Gramm Gewicht kultivieren und Kiwipflanzen in einem Jahr um 8 Meter wachsen lassen können.

Die einfachste Möglichkeit, sich einen Garten auf dem Balkon oder Sitzplatz anzulegen, sind die Pflanzsäcke. Für textile Pflanzsäcke, die wasserdurchlässig sind, empfiehlt Yohan Hubert wasserspeichernde Substrate. Etwa ein Gemisch von 90 Prozent Kübelerde und 10 Prozent Vermiculit.

Wer gleich seine Stadt verschönern will, kann ganze Plätze mit Pflanzsäcken bestücken. Dafür braucht es allerdings eine behördliche Bewilligung. Und die Bewässerung kann ziemlich aufwendig sein, wenn sie nach dem Giesskannenprinzip erfolgt... Zudem müssen die Pflanzen regelmässig zurück geschnitten werden, um die Struktur des "Gartens" erhalten zu können.

Im hinteren Teil des Buches listet der Autor Pflanzen auf, welche sich für seine beschriebenen Anbaumethoden besonders gut eigenen. Grundsätzlich, sagt er, können alle Pflanzen ohne Garten kultiviert werden. Am meisten Erfolg hat man jedoch mit schnell wachsenden Pflanzen. Dazu gehören die meisten Kräuter. Gemüse wie Auberginen, Rotkohl, Salate, Gurken,  Zucchini etc. wachsen alle schnell und problemlos.

Anbaubedingungen, Pflanzzeit und Besonderheiten der einzelnen Pflanzen sind im Buch gut erklärt. Auch der biologische Anbau wird kurz skizziert. Ein Kapitel ist der Schädlingsbekämpfung gewidmet. Blattläuse, alle (Hobby)Gärtner können davon ein Lied singen. Doch vertieft man sich in das Wesen und Unwesen dieser Schädlinge, wird es spannend. Die kleinen Tierchen spritzen Speichel in die Pflanze, die dann als Reaktion ein Gift produziert, um andere Insekten fern zu halten. Dadurch bleiben die Blattläuse einzige Besitzerinnen der Pflanze... Alle Achtung!

 

Fazit: Das Buch ist sehr hilfreich, unkompliziert geschrieben und handlich.

Erschienen ist "Urban Gardening – Gemüse anbauen ohne Garten" im Ulmer Verlag. Erhältlich ist es unter anderem in der Buchhandlung zum Zytglogge in Bern.

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