Der Wintergarten hat seinen ganz eigenen Reiz

Im Winter ruht der Garten. Nur wenige Blätter sind noch grün, nur wenige Blüten bringen Farbe in das Gartenleben. Dafür verwandeln sich die Pflanzen in eisige Kunstwerke. Das Ziergras wird zur Eisskulptur, der Lavendel trägt auf seinen schmalen Blättern einen weissen Kragen, die verblühten Rosenköpfe zeigen sich mit dem sanften Eismantel in neuer Schönheit. Plötzlich verwandeln sich welkende und verwelkte Pflanzen in attraktive Kunstwerke.

Ich mag die frühen Wintermorgen. Sie lassen mich den Garten neu entdecken. Manchmal wünsche ich mir sogar, die Sonne möge noch zwei drei Stunden warten, damit die winterlichen Kunstwerke möglichst lange ihre Faszination ausüben können.

Denn, wenn die Sonne ihre warmen Strahlen ausbreitet, was natürlich wunderschön ist, schmelzen die weissen Ränder auf Blättern und Blüten. Das Ziergras nimmt wieder seine gelb-braune Farbe an, die Rosenknospe verwandelt sich in eine welke alte Dame.

Der winterliche Garten ist ein gutes Übungsfeld, sich mit seiner eigenen Sicht der Dinge auseinanderzusetzen. Der Blickwinkel entscheidet mit,  was gut oder schlecht, schön oder hässlich, lieb oder böse ist. Richte ich meine Aufmerksamkeit auf die mit Vlies umhüllten Beete und Pflanzsäcke, auf die dürren und absterbenden Pflanzen, gibt es wenig, was mich erfreut. Rücke ich jedoch die winterlichen Eiskunstwerke, den immer noch grünen Lavendel, die wachsenden Wintersalate und die noch duftende Minze in meinen Fokus, dann ist mein (Garten)Tag gerettet.

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