Tomaten auslichten oder nicht?

Meine Tomaten wachsen zu einem Urwald ähnlichen Gebüsch. Da meine beiden Pflanzsäcke gleich nebeneinander stehen,  haben sich die Zweige der zwei Stauden längst miteinander vermischt, so dass es nicht mehr so einfach ist, alle ordentlich hoch zu binden. So stellt sich mit die Frage: Soll ich einige Zweige kappen? Wenn ja, welche und wie viele? 

Bei Tomaten sind sich wohl auch die Fachleute nicht ganz einig. Die Geiztriebe zwischen den Zweigen ja, die sind auszubrechen, so der ziemlich  einhellige Rat. Aber was geschieht mit dem restlichen Tomatenurwald? Eine Freundin von mir, die schneidet, entgegen allen landläufigen Empfehlungen, ihre Tomatenpflanzen ziemlich kahl. Bis auf wenige Seitentriebe bricht sie wagemutig alles raus, was keine grünen Tomaten trägt. Sie schwört auf ihre Methode und ist felsenfest davon überzeugt, dass sie ihr den grössten Tomatensegen beschert. Und ja, es stimmt, sie kann jeweils viele Paradiesäpfel ernten. Die Natur gibt ihr also recht.

 

 

Szenenwechsel. Kürzlich einen Besuch bei einer Nachbarin. Die stand gerade mit ihrer Schwiegermutter etwas ratlos vor ihren beiden Tomatensträuchern, die sich ähnlich verworren präsentieren wie meine. Die Schwiegermutter, eine gestandene Bäuerin, schmunzelt und rät ihr dann, ihr "Gestrüpp" auszulichten, damit die grünen Tomätchen genügend Sonne erhaschen können. Schnipp schnapp, alles weg, was keine Tomaten trägt. Auch die Blüten, denn die schafften es nicht mehr, sich zu Früchten zu entwickeln, sagt die erfahrene Bäuerin. 

 

Hmm, was mache ich jetzt? Einer meiner – aus Samen gezogenen – Tomatensträuchern trägt ausschliesslich Blüten. Den lasse ich unversehrt, das heisst, ich gebe ihm eine Chance. Denn schliesslich ist es möglich, dass wir hier einen sonnigen September und Oktober haben und sich die zitronengelben Blüten doch noch in gelbe kleinen Tomaten verwandeln. Die anderen drei Sträucher habe ich, ziemlich mutig, geschoren. So dass die ausgebildeten Tomaten genügend Sonne bekommen, wenn sie dann wieder scheint. Mal sehen. Wer nichts wag, gewinnt ja bekanntlich nichts. Die am Strauch sonnengereiften Tomaten schmecken auf jeden Fall besser als die in der Küche nachgereiften.

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